| Evaluationsergebnisse der Jahre 2001- 2006 |
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Die Informatica Feminale Baden-Württemberg wird seit Beginn ihres Bestehens im Jahre 2001 evaluiert und wissenschaftlich begleitet. Die detaillierten Evaluationsergebnisse können oben rechts als PDF heruntergeladen werden.
Ergebnisbericht Online-Befragung ehemaliger Teilnehmerinnen der Informatica Feminale Baden-Württemberg 2001-2005 „Jede Frau die überlebt in einem technischen Studiengang, macht zwei anderen die Türe auf“ 1. Einleitung In den Monaten März und April 2006 wurde eine Online-Befragung ehemaliger Teilnehmerinnen der Informatica Feminale Baden-Württemberg durchgeführt. Neben standardisierten Fragen zum Ankreuzen hatten die Umfrageteilnehmerinnen die Möglichkeit, ihre Bewertungen durch offene Antworten zu ergänzen. Insgesamt nahmen 126 Frauen an der Befragung teil. Damit beteiligten sich knapp 30% aller angeschriebenen ehemaligen Teilnehmerinnen, deren E-Mail Adressen zum Befragungszeitpunkt noch gültig waren. Die Online-Befragung ergänzt die quantitativen und qualitativen Evaluationsinstrumente, die bisher zur Qualitätssicherung der Sommerhochschule eingesetzt wurden. Ziel dieser Befragung ist die retrospektive Bewertung der Veranstaltungsteilnahme. Fragen nach dem Nutzen für Studium und Beruf, Fragen des Wissenstransfers und der Vernetzung standen im Vordergrund dieses Online-Surveys. Dieser Untersuchungsansatz ist deshalb besonders interessant, weil eine Teilgruppe der Befragten das Studium bereits abgeschlossen hat und im Berufsleben steht und somit die Teilnahme an der baden-württembergischen Informatica Feminale im Hinblick auf den Berufseinstieg und den Praxisbezug bewerten konnte. 2. Ergebnisse der Befragung 2.1 Derzeitige Beschäftigung und Studienabschluss der Befragten Mit 24% ist der Anteil derjenigen Umfrageteilnehmerinnen, die die baden-württembergischen Informatica Feminale mehrfach (zwei- bis viermal) besucht hatten, recht hoch. Auf die Frage nach der derzeitigen Beschäftigung gaben 51% der Befragten an, erwerbstätig zu sein, 40% studierten noch. 57% der Befragten hatten ihr Studium zum Befragungszeitpunkt bereits abgeschlossen. Davon hatte die Hälfte einen Studienabschluss in einem informationstechnischen Fachgebiet, ein Viertel in den Ingenieur- und Naturwissenschaften und ein weiteres Viertel in anderen Studienrichtungen. 2.2 Gesamtbewertung Für 94% aller Befragten war die Teilnahme an der baden-württembergischen Informatica Feminale im Rückblick eine sehr wertvolle oder wertvolle Erfahrung. Ein ebenfalls sehr hoher Prozentsatz, nämlich 83% beurteilte das Lernen unter Frauen positiv. Die sehr hohe Zustimmung zu diesem monoeduaktiven Angebot spiegelt sich auch darin wider, dass 83% der Befragten sich vorstellen können, wieder an der Informatica Feminale Baden-Württemberg teilzunehmen. Eine Teilnehmerin formulierte dies folgendermaßen: „Ich habe mich immer wohl gefühlt auf der IF. Die Atmosphäre dort war richtig gut. Wenn ich es zeitlich unterbringe, komme ich gerne wieder. Das Rahmenprogramm (Vorträge und Workshops) hat mich auch immer sehr angesprochen.“ 2.3 Nutzen der Fachkenntnisse und Bewertung der Fachkurse Der positive Gesamteindruck drückt sich auch in der guten Bewertung der Fachkurse aus. Wie Abb.1 verdeutlicht, nutzen zwei Drittel der Befragten die erworbenen Fachkenntnisse häufig oder gelegentlich. Immerhin noch ein Fünftel nutzt sie selten, und nur 10% nutzen die erworbenen Fachkenntnisse nicht. Damit kann gesagt werden dass der Wissenstransfer von der baden-württembergischen Informatica Feminale in den Studien- und Berufsalltag für die weit überwiegende Anzahl der Teilnehmerinnen gelingt.
Abb.1: Nutzen der Fachkenntnisse: Nachbefragung ehemaliger Teilnehmerinnen der Informatica Baden-Württemberg 2001-2005, n=126 Besonders interessierte bei dieser Befragung, wie die Inhalte und die Qualität der Fachkurse beurteilt wurden und inwieweit sie den Erwartungen der Teilnehmerinnen entsprachen. Wie Abb.2 verdeutlicht, wurde die Aktualität der Fachkurse mit 94 % Zustimmung als besonders positiv beurteilt. Von 83% der Befragten wurde das Verhältnis zwischen Lernerfolg und Zeitaufwand als gut eingeschätzt. Ebenfalls 83% Zustimmung erfuhr die Frage nach dem Praxisbezug. Jeweils 80% beurteilten die Kurse als eine wertvolle Ergänzung zum Studienalltag und sprachen ihnen eine hohe fachliche Qualität zu. Diese insgesamt sehr positive Resonanz drückt sich auch darin aus, dass drei Viertel aller Befragten ihre thematischen Erwartungen an die baden-württembergische Informatica Feminale als erfüllt ansahen.
Abb.2: Bewertung der Fachkurse: Nachbefragung ehemaliger Teilnehmerinnen der Informatica Baden-Württemberg 2001-2005, n=126 Auf die Frage „Was haben sie aus der Teilnahme/ den Teilnahmen an der Informatica Feminale BW in ihren beruflichen oder Studienalltag mitgenommen?“ sollten die Befragten die Bedeutung ihrer Teilnahme an der Sommerhochschule für Beruf und Studium näher erläutern. Die offene Frage erfuhr eine hohe Resonanz, die sich in einer Bandbreite unterschiedlicher Aussagen ausdrückt. Wie aus folgender Auswahl der Zitate ersichtlich wird, steht der Erwerb von Fachkenntnissen eindeutig im Vordergrund: „meine in dem Kurs erworbenen Fachkenntnisse setze ich in meinem Studium um, wo ich meine Programme (software) richtig testen kann“„für das Studium war die Erfahrung wichtig“ „für das anschließende Masterstudium waren die Kurse sehr wertvoll“ „Interesse am Programmieren steigt“ „Inhalte helfen nach dem Studium weiter" „der Einblick in verschiedene Themengebiete hat mir geholfen mein Studium in einem größeren Kontext zu sehen“. Darüber hinaus wurde bei manchen Teilnehmerinnen das Interesse für interdisziplinäre Fragestellungen und Genderthemen geweckt “Kontakte mit frauenspezifischen Themen“ und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt „mehr Vertrauen im Umgang mit dem PC“ . Und nicht zuletzt stieg bei manchen Befragten die „Inspiration“. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass alle diese Faktoren einen wichtigen Beitrag für den Berufs- und Karriereweg leisten. Wie aus Abb.3 ersichtlich wird, trägt das vielfältige Angebot der Sommerhochschule darüber hinaus zum Erwerb wichtiger Schlüsselqualifikationen bei. Circa die Hälfte aller Befragten gab an, nach der Informatica Feminale Baden-Württemberg mehr Spaß im jeweiligen Arbeitsgebiet und wichtige Schlüsselqualifikationen, Softskills sowie Selbstbewusstsein erworben zu haben. Immerhin noch mehr als ein Drittel der Befragten ist mutiger geworden und bringt sich stärker in Arbeitsgruppen mit ein. Zusammengefasst kommen diese Erfahrungen in folgender Aussage zum Ausdruck: „Die wertvollste Erfahrung ist die Zusammenarbeit mit Frauen, ich bin selbstbewusster geworden. Am Ende des Semesters habe ich sogar ein Projekt unserer Studiengruppe geleitet. Vor der Teilnahme an der Informatica Feminale konnte ich mir in dieser Richtung nichts vorstellen.“
Abb.3: Bedeutung der erworbenen Schlüsselqualifikationen und Softskills für Studium und Beruf: Nachbefragung ehemaliger Teilnehmerinnen der Informatica Baden-Württemberg 2001-2005, n=126 2.4 Netzwerkbildung Als wichtiges Ziel beinhaltet das Konzept der Informatica Feminale Baden-Württemberg die Vernetzung der Teilnehmerinnen untereinander. Aus diesem Grunde wurde die Frage gestellt, ob noch Kontakte zu Teilnehmerinnen und Dozentinnen bestehen. Immerhin knapp die Hälfte aller Befragten gab an, Kontakte zu anderen Teilnehmerinnen zu pflegen. Zu den Dozentinnen hatte noch etwa jede sechste Teilnehmerin Kontakt. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass monoedukative Veranstaltungen einen Rahmen bieten, in dem Kontakte geknüpft werden, die nicht nur kurzfristig bestehen, sondern längerfristig von Bestand sind. Von Interesse ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob zusätzlich zur baden-württembergischen Informatica Feminale weitere monoedukative Veranstaltungen besucht wurden. Die Auswertung ergab, dass ca. ein Viertel der Befragten neben der baden-württembergischen Sommerhochschule die Informatica Feminale in Bremen und die Ditact in Salzburg besucht hatte. 2.5 Vermeidung von Studienabbruch Ein weiteres Ziel der Informatica Feminale ist die Vermeidung von Studienabbrüchen. Auch wenn angesichts der geringen Fallzahlen für diese Frage Repräsentativität nicht in Anspruch genommen werden kann, zeigt die Auswertung doch, dass die baden-württembergische Informatica Feminale in der Lage ist, einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung eines möglichen Studienabbruchs zu leisten. Von 74 Befragten, die während der IF studiert hatten, gaben immerhin 24 (35%) an, dass sie schon einmal erwogen hatten, das Studium abzubrechen. Aus dieser Gruppe wiederum wurden 10 Studentinnen, das sind 42 Prozent, durch die IF motiviert weiterzustudieren. Eine Erhöhung der Studienmotivation kommt nicht nur der einzelnen Studentin zu Gute, sondern hat weiter reichende Wirkungen, wie folgendes Zitat einer ehemaligen Teilnehmerin verdeutlicht:„Jede Frau die überlebt in einem technischen Studiengang, macht zwei anderen die Türe auf“ 2.6 Bedeutung des Zertifikats Die Antworten auf diese Frage zeigen, dass den Teilnehmerinnen vor allem der Erhalt eines Teilnahmezertifikates wichtig war. Ein benotetes Zertifikat zur Einreichung an der eigenen Hochschule war hingegen nur für etwa ein Viertel aller Befragten wichtig. 2.7 Diskussion der offenen Antworten Auf die Frage nach der Bedeutung der IF-Teilnahme für Beruf und Studienalltag wurden mehr als 80 positive und lobende Aussagen gemacht. Die Zitate hierzu können aus Platzgründen nicht alle wiedergeben werden, jedoch soll an dieser Stelle stellvertretend eine Teilnehmerin zu Wort kommen: „Für mich war besonders wertvoll, dass ich mein Wissen und meine Fähigkeiten in einem Bereich vertiefen konnte, der an meiner Universität kaum Aufmerksamkeit gewidmet wird. Da dieses Gebiet auch gleichzeitig mein Studienschwerpunkt ist und ich in diesem Umfeld die Diplomarbeit schreibe, hat es mir recht viel gebracht.“ In vielen Zitaten wurde hervorgehoben, dass die Vernetzung mit anderen Frauen aus Naturwissenschaft und Technik eine sehr große Bedeutung für die Teilnehmerinnen der Sommerhochschule hat. Folgendes Zitat macht dies deutlich: "Neben dem erworbenem Fachwissen insbesondere ein Netzwerk und die Zuversicht nicht mehr als Frau in der Informatik eine 'Exotin' zu sein." Neben den Fachkursen machte insbesondere das vielfältige Angebot, z.B. die Ringvorlesungen und die Monoedukation das 'Besondere' der Sommerhochschule aus: "Das Lernen unter Frauen war eine sehr intensive, neue Erfahrung. Sehr interessant fand ich auch die Ringvorlesungen, die Mut dazu machten, sich auch einmal in andere Bereiche hineinzuwagen.Ich zehre auch heute noch von der Veranstaltung. Immer wenn ich daran zurückdenke, geht's mir gut!" Neben der überwältigen Zustimmung übten vier Teilnehmerinnen Kritik. Zwei kritisierten, dass ihre Erwartungen und das Angebot nicht zusammenpassten, weil der Kurs nicht dem erwarteten Schwierigkeitsgrad entsprach. Eine Teilnehmerin fand, dass Frauen generell versuchten das Lerntempo niedrig zu halten, damit alle den Stoff verstünden. Dies stünde im Widerspruch zu einer leistungsorientierten Gesellschaft. Auf der anderen Seite äußerte sich eine andere Teilnehmerin zur selben Thematik dahingehend, dass für sie der unterschiedliche Wissensstand sehr bereichernd gewesen sei. Eine einzige Teilnehmerin fühlte sich ungerechtfertigt schlecht benotet. Viele Teilnehmerinnen sahen einen positiven Zusammenhang zwischen ihrer Teilnahme an der baden-württembergischen Informatica Feminale und ihrem Berufseinstieg bzw. ihrer Karriere. Erwähnt wurde in diesem Zusammenhang auch immer wieder, dass die Dozentinnen wichtige Vorbilder auf dem eigenen beruflichen Weg waren. Folgendes Zitat stellt die Vorbildfunktion der Dozentinnen deutlich heraus: "Die Podiumsdiskussion bei der IF 2005 über Frauen mit Kind und Karriere hat mir sehr geholfen, andere Frauen kennen zu lernen, die in der selben Situation mit Kind sind. Sie waren eine Art Vorbild und Ermutigung, da sie es trotz Kind geschafft haben mit guter Organisation, Mut und Beharrlichkeit Karriere zu machen. Es war wichtig, dass sich die Firmen (...) auf der IF persönlich vorgestellt haben. So kann man sich besser ein Bild machen und die Firma als Bewerber in den engeren Kreis der Firmen einbeziehen." Wie folgendes Zitat verdeutlicht, kann die Vorbildfunktion der Dozentinnen und Referentinnen durchaus eine langfristige Bestärkung der eigenen Motivation zur Folge haben und sich positiv im Berufsleben auswirken: „Besonders gefallen hat mir der Erfahrungsaustausch und die Hilfe der Teilnehmerinnen untereinander. Auch fand ich die Vorträge immer sehr spannend bei denen Frauen aus der Praxis berichtet haben. Ich erinnere mich noch an eine Vortragende, die bei Audi gearbeitet hat und dort sehr erfolgreich war. Heute arbeite ich bei S. und muss manchmal noch an diesen Vortrag denken, der sehr viel Selbstbewusstsein und Kraft ausgestrahlt hat (gerade wenn ich einem Meeting mit 20 Männern sitze oder einen Vortrag vor 50 Systemtestern halten muss). Das gibt mir dann auch gleich noch etwas mehr Power und ich ziehe mein Ding durch." Unter Punkt „Sonstiges“ wurden nochmals viele zuvor erwähnte Punkte aufgegriffen. Ganz überwiegend wurde Lob geäußert und der Wunsch nach einer Verbesserung des regulären Studiums an der eigenen Hochschule: "Die Teilnahme an der Informatica Feminale hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es war viel interessanter, als ich erwartet habe. Wenn auch die Vorlesungen an der FH oder Uni genauso gestaltet werden, wäre es viel spannender und effizienter.“ Im Hinblick auf zukünftige Wünsche für die Informatica Feminale’ wurde nochmals die Vielfältigkeit der Angebote auf der baden-württembergischen Informatica Feminale als Alleinstellungsmerkmal hervorgehoben. So äußerten viele der Befragten den Wunsch, die gemischte Angebotsstruktur der baden-württembergischen Informatica Feminale zukünftig unbedingt beizubehalten und wenn möglich sogar noch zu erweitern. Neben speziellen Fachkursen wünschten sich die Befragten auch Angebote zu Softskills, Coaching, Statistikprogrammen, Frauenpolitik und weiteren interdisziplinären Themenstellungen. 3. Fazit Die Ergebnisse der Nachbefragung zeigen, dass der Besuch der Informatica Feminale Baden-Württemberg für die Teilnehmerinnen langfristig von Nutzen ist. Die Teilnehmerinnen profitierten sowohl vom fachbezogenen Angebot als auch von den Ringvorlesungen, Workshops, und Vorträgen sowie dem Rahmenprogramm, dessen Bedeutung für die Vernetzung der Teilnehmerinnen und Dozentinnen nicht hoch genug bewertet werden kann. Als monoedukative Veranstaltung trägt die baden-württembergische Sommerhochschule darüber hinaus dazu bei, einen möglichen Studienabbruch zu vermeiden und die Motivation für ein informations-technisches oder naturwissenschaftliches Studium zu erhalten oder zu steigern. 28.08.2006 Kordula Kugele (mailto:kug@hs-furtwangen.de)
1 Originalzitat einer Teilnehmerin der Nachbefragung 2 Da die Teilnahme an der IF BW zwischen einem und fünf Jahren zurückliegt, ergibt sich in dieser hochflexiblen Gruppe ein erheblicher Schwund an gültigen E-Mail Adressen, so dass nur noch 456 ehemalige Teilnehmerinnen per E-Mail erreicht werden konnten. Hier finden sie die Datenschutzbestimmungen zur Nachbefragung. |